Störche in Lochau

Viele haben uns dazu angeschrieben, denn die Störche mitten im Dorf waren für viele ein Highlight. Am 16.05.2017 tauchten sie erstmals auf dem Schornstein der ehemaligen Backstube am Denkmalplatz auf. 

 

Leider hatte die Sache einen Hacken. Der Schornstein an dem Haus ist noch in Betrieb. Bereits wenige Tage später musste daher die Heizungsanlage abgestellt werden, da im Schornstein Unmengen an Astwerk des Nestbaus zu finden waren. Ein unhaltbarer Zustand. Am 23.05.2017 wurde daher, in einer groß angelegten Aktion, das Nest auf den "Storchenmast" am Schöpfwerk umgesetzt. Möglicherweise nehmen nimmt das Storchenpaar den Umzug in Kauf und nutzt (endlich) den neuen Standort. Denn dieser besteht schon seit vielen Jahren, blieb bisher aber immer leer. 

 

An der Mühle in Wesenitz wird in Kürze ein weiterer Mast gesetzt, der den Störchen die Möglichkeit zum Nestbau geben wird. Denn auch dort wurde schon ein (noch aktiver) Schornstein zum Ziel der Störche.

 

Ungeachtet dessen verlief die Aktion zur Umsiedlung der Tiere problemlos. Kurios: Kurz vor dem Einsatz wurde ein weiteres Storchenpaar auf dem Haus gesichtet (also insgesamt 2 Paare).

 

Wir werden weiter über die Sache berichten. Beachtet dazu unsere Sonderseite "Störche" im Menü auf der rechten Seite.


Auszug aus dem Saale-Elster-Luppe-Auen Kurier, Ausgabe Februar 2018:

 

Im Frühjahr 2016 erschien ein Storchenpaar und errichtete hinter der alten Mühle in Lochau (Saalekreis) auf einem dicken Schornstein ein Nest. Die Esse war noch in Betrieb, sodass der Schornsteinfeger aus Brandschutzgründen den Abbau des Nestes verfügte. Am 04.06. wurden die vier vorhandenen Eier in Anwesenheit von Dr. M. Kaatz vom Storchenhof Loburg sichergestellt und dort in den Brutkasten gelegt. Es schlüpfte ein Jungstorch. Die anderen drei Embryos waren wohl durch die heißen Abgase, die durch das Nest zogen, abgetötet worden. Der kleine Adebar wurde aufgezogen und später in ein Nest mit gleichgroßen Jungen gesetzt. Das “Findelkind“ wurde mit seinen „Geschwistern“ groß und zog im Herbst ins Winterquartier. Überraschend tauchten im Frühjahr 2017 zwei Störche, vielleicht das vorjährige Paar, wieder in Lochau auf. Auf dem alten Schornstein hielten sich keine Äste mehr und so hielten sie sich meist in der Elsteraue auf.

 

Der Regionalverband Merseburg-Querfurt des Naturschutzbundes Deutschland e. V. und die Fachgruppe „Ornithologie und Vogelschutz“ Merseburg e. V. beschlossen, den Störchen zu helfen und einen Mast mit Storchennest auf der Wiese hinter der Mühle zu errichten. Die Naturschutzbeauftragte Martina Hoffmann und der Storchenbeauftragte Arnulf Ryssel klärten die Eigentumsverhältnisse der Wiese, beantragten den Schachtschein und organisierten Spenden und Sponsoren. Es beteiligten sich 14 Spender, sodass die notwendigen Mittel bereitstanden. Die Firma Elektro Bohnefeld aus Löbejün, die schon weitere Nestmasten im Saalekreis errichtet hatte, wurde mit der Lieferung und Aufstellung des Mastes beauftragt. Inzwischen hatte das Storchenpaar einen weiteren dicken Schornstein im Dorf entdeckt und begann auch auf ihm Nistmaterial abzulegen. Dieser Schornstein war noch aktiv. Die Feuerwehr musste auch dieses Nest entfernen. Ein langes Rohr auf der Esse sollte einen neuen Nestbau verhindern. Die Störche ließen sich aber nicht davon abhalten, auf die Ränder der Esse weiteres Nistmaterial zu schaffen. Einen nur vier Meter hohen Nestmast an der Elster, der mit dem alten Nistmaterial verbessert wurde, nahmen sie nicht an und ogen dann fort. Am 14. Dezember 2017 klappte es dann mit der Errichtung des acht Meter hohen Mastes mit der von den Ornithologen gemachtenen Nestunterlage.

 

Hoffen wir, dass das Storchenpaar im Jahre 2018 vom neuen Nest auf dem Mast Besitz ergreift.

Im Saalekreis befanden sich 2017 18 Storchenhorste. In 9 Nes- tern wurden 23 Jungstörche aufgezogen. In 6 Nestern kam kein Nachwuchs zustande. 3 Nester waren nicht besetzt.

 

Merseburg, den 14.12.2017, Text: Ingo Hermann