Am 01.05.2021 durfte ich den Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle e.V. (AHA) in Lochau begrüßen. Dazu hatte ich den Vorsitzenden Andreas Liste und seine Mitstreiter eingeladen. Den Grund dazu dürfte der ein oder andere bereits der Mitteldeutschen Zeitung entnommen haben: Die Renaturierung unserer Elster-Luppe-Aue!

 

Dementsprechend ist die häufigste Frage, die ich aktuell zu hören bekomme: „Sie wollen den Damm beseitigen und die Elster wieder so herstellen, wie diese früher war? Das geht doch gar nicht! Wir haben dann das Hochwasser in unserem Haus stehen!“

 

Stimmt. So geht es auch nicht – und das will ich auch nicht!

 

Aber ... den „Status quo“ erhalten – d.h. die Weiße Elster zwischen Schkeuditz und Döllnitz so zu belassen wie sie jetzt ist, kann und darf nicht das Ziel sein. Warum?

 

Gründe:

  • Die Weiße Elster fließt zu tief – Folge: Es kann kein Wasser an die Natur abgegeben werden – die Aue trocknet weiter aus (Stichwort: Klimawandel)
  • Die Weiße Elster fließt zu schnell – Folge: Kein Fisch kann laichen!
  • Die Weiße Elster ist befestigt – Folge: Der Fluss kann sich nicht entwickeln und mäandern – d.h. keine natürliche Entwicklung!
  • Die Weiße Elster ist eingedeicht – Folge: Der Fluss erreicht seine natürlichen Überflutungsgebiete nicht mehr – Hochwasser drohen!
  • Starke Hochwasser treffen aktuell (zuletzt 2013) massiv auf die Saale - wir gefährden unsere Nachbarn!

Dabei handelt es sich nur um einige wenige Gründe die dafürsprechen, den aktuellen Status dringend zu ändern. Insbesondere der letzte Punkt hat das Umweltministerium aber dazu bewogen, Planungen zu beginnen, die die Hochwassersituation ändern sollen. Dies hat mich letztlich dazu gebracht, die Initiative zu ergreifen. Andernfalls würden wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden.

 

 

Was will das („grüne“) Magdeburger Umweltministerium?

In Magdeburg favorisiert man die sogenannte "Polderlösung", d.h. man würde Flutkammern schaffen die Hochwasserspitzen (sogenannte Jahrhunderthochwasser) aufnehmen könnten. Dies hätte jedoch zur Folge, dass die Polder zumeist ungenutzt bleiben und so weiterhin austrocken und keine natürlichen geringeren Hochwasser aufnehmen könnten. Sollte es zu einem Jahrhunderthochwasser kommen, würden die Polder massiv geflutet. Das Wasser strömt dann in die Polderkammern und reißt alles mit sich, was sich ihm in den Weg stellt. Ob nun natürliche und wichtige Sedimente oder auch Tiere, die durch die Wassermassen nicht mehr "entkommen" können. Zudem würden die umliegenden Ortschaften gefährdet werden, da derartige Hochwasser in einem engen Polder zu einem vorübergehenden aber starken Anstieg des Grundwassers führen. Die Weiße Elster würde in ihrem begradigten Flussbett verbleiben und weiterhin eingedeicht und unnatürlich an den vorhandenen und ungenutzten Überflutungsgebieten vorbeifließen.

 

Was ist das Ziel?

Die umfassende Renaturierung unserer Auen mit Deichrückverlegungen anstatt von Poldern ist sinnvoller, nachhaltiger und ökologischer. Dabei sollen Deiche überall dort entfernt, geschlitzt oder versetzt werden, wo dies ohne Gefährdung der Bevölkerung möglich ist. Natürliche Höhenprofile könnten ausgenutzt werden, um Altarme anzuschließen und dort, wo dies nicht möglich ist, die bisherige "Elsterrinne" in ein natürliches weniger tiefes Flussbett mit Flussschlingen (Mäander) umzugestalten. Die umfangreichen Altarme der Weißen Elster sind wieder als Hauptarm - und dort wo dies nicht möglich ist - als angeschlossener Nebenarm zu nutzen. Dadurch könnten die umliegenden Auen auf natürlichem Wege geflutet und vor der Austrocknung geschützt werden. Hochwasser könnten sich, auch außerhalb der Jahrhunderthochwasser, in die Elsteraue ergießen und so einen biologischen und natürlichen Zustand erzeugen. Der Fluss hätte wieder den Platz, dem ihn der Mensch genommen hat. Im neuen bzw. alten Flussbett könnten Fische laichen und sich endlich wieder Leben entwickeln. Zudem könnte ein sanfter Wasserwandertourismus entwickelt werden, der Paddlern erlaubt, von Leipzig Richtung Halle über unseren Fluss zu gelangen.

 

 

Zum Vor-Ort-Termin am 01.05. sind neben dem AHA auch der Bürgermeister Torsten Ringling, der Ortsbürgermeister von Luppenau Steffen Wilhelm, sowie Peter Richter (IG Nachflugverbot) und Martina Hoffmann (NABU Merseburg-Querfurt) meiner Einladung gefolgt. Gerne hätte ich noch mehr Personen eingeladen – die Pandemie hat hier aber große Einschränkungen gesetzt.

 

Sehr gefreut habe ich mich über den konstruktiven Gedankenaustausch und hoffe, dass wir gemeinsam den angedachten Weg fortführen werden. Im nächsten Schritt soll es einen Vortrag im Ordnungssauschuss zum Thema „Lebendige Luppe“ geben. Denn auch die Luppe, als wichtiger Bestandteil unserer Aue, wartet seit Jahrzehnten darauf, wieder den natürlichen und ursprünglichen Stellenwert als Fließgewässer einnehmen zu können. Beide Maßnahmen sind verzahnt und bilden den Grundstock zur Renaturierung unserer Elster-Luppe-Aue.

 

Mathias Wild

Ortsbürgermeister Lochau

 

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Presseerklärung AHA - u.a. Besuch in Lochau
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